Beste Aussichten! Albstadt-Ebingen. Länger als ein halbes Jahrhundert verkaufte er in Ebingen Gemüse und Pflanzen aus eigenem Anbau – zuerst als Mitarbeiter von Ludwig Sämann, später als Firmenchef und seit sechs Jahren als Mitarbeiter der heutigen Chefin, seiner Tochter Sigrid Herber. Wieso dieser Abgang? Gefällt es ihm nicht mehr in Ebingen? Keineswegs. Bächtle kann über seine Ebinger Kundschaft nur Gutes sagen und verlässt sie mit der vielberufenen Träne im Knopfloch. Aber Allgegenwart ist ihm nicht gegeben; er kann nicht gleichzeitig in Ebingen und in Balingen Gemüse verkaufen. Das müsste er aber, denn in der kommenden Woche gibt die Gärtnerei Sämann ihr Debüt in Balingen – sie übernimmt den Standplatz der Geislinger Gärtnerei Hauser, deren Firmenchef Albrecht Hauser aus Altersgründen kürzer tritt und deshalb in Zukunft auf den Marktverkauf in Balingen verzichtet. Nun ist Ernst Bächtle auch nicht mehr der Allerjüngste; er ist sogar noch sechs Jahre älter als Hauser, nämlich 71. Aber die merkt man ihm nicht an, wenn er, immer freundlich und gelassen, seine Kundschaft bedient und nie vergisst, noch einen Zweig Bohnenkraut und eine Zwiebel als kleines Extra in die Tüte zu legen. Er war gerade 20, als er den Posten am Stand des späteren Schwiegervaters übernahm, und in keinerlei Hinsicht vorbelastet: Gelernt hatte er Mechaniker; was der Gemüsegärtner an Wissen und Erfahrung besitzen muss, das eignete er sich im Lauf der Zeit an. In Ebingen half ihm regelmäßig sein Bruder Willi – der war auch kein Gärtner, sondern Elektrofachmann und am Stand immer eine willkommene Hilfe. Ganz wird Ernst Bächtle der Stadt Albstadt, der er schon aufgrund seiner Herkunft aus Pfeffingen eng verbunden ist, nicht abhanden kommen: Die Gärtnerei Sämann hat auch einen Stand auf dem Tailfinger Wochenmarkt, und den behält sie; Bächtle ist also auch in Zukunft einmal in der Woche in Albstadt. Dass er und sein Tochter sich, vor die Wahl zwischen Balingen und Ebingen gestellt, für Balingen entscheiden, werden auch seine treuen Ebinger Kunden nachvollziehen können: Drei Kilometer Anfahrt statt 17 sind ein schlagendes betriebswirtschaftliches Argument – man muss kein Schwabe sein, um es zu verstehen.